FeedWise-Infografik: Flohsamenschalen (Psyllium), der Schönmacher unter den Ballaststoffen. Bindet Wasser effektiv im Darm und beeinflusst die Mikrobiota kaum, wirkt kosmetisch auf die Kotkonsistenz bei milder Diarrhoe und wasserbindend bei milder Obstipation, und sollte immer zusammen mit dem Hinweis auf eine ausreichende Wasseraufnahme verordnet werden.

Ballaststoffe werden häufig über einen Kamm geschoren. Dabei ist „Faser“ eigentlich ein Sammelbegriff für eine sehr heterogene Gruppe von Substanzen – jede mit eigenem Wirkmechanismus, eigener Indikation und eigenen Fallstricken.

Deshalb stellen wir Ihnen in den kommenden Wochen einige häufig eingesetzte Ballaststoffe bei Hund und Katze vor. Was tun sie wirklich? Wann sind sie sinnvoll? Und wann eben nicht?

Wir beginnen mit dem vielleicht bekanntesten: Psyllium (Flohsamenschalen).

Psyllium gehört zu den am häufigsten verordneten Ballaststoffen in der Tiermedizin, und das nicht ohne Grund. Es ist sehr wirksam darin, die Kotkonsistenz zu normalisieren.

Diese Wirkung entsteht nicht über das Mikrobiom. Psyllium wird von den Darmbakterien kaum als Nährstoffquelle genutzt und hat daher wenig prebiotische Wirkung. Gerade dadurch bleibt die Struktur bis in das Kolon weitgehend erhalten, wo es freies Wasser zu einer gelartigen Masse bindet.

Mehr macht Psyllium nicht. Und genau deshalb kann es bei zwei gegensätzlichen Problemen helfen.

Bei zu trockenem Kot ist das im Gel gebundene Wasser für den Entzug durch das Kolon weniger verfügbar. Es verbleibt also mehr Flüssigkeit im Darminhalt.

Bei zu dünnem Kot ist dasselbe Wasser in einer Matrix gebunden. Der Kot wird besser geformt und fester in der Struktur.

Aber Achtung. Im ersten Fall verändert sich der Wassergehalt des Kots. Im zweiten Fall vor allem dessen Struktur. Ein Patient mit Durchfall kann unter Psyllium einen sauber geformten Kot absetzen und trotzdem weiterhin Flüssigkeit verlieren.

Festerer Kot ist also nicht dasselbe wie eine normalisierte Darmfunktion.

Wann ist Psyllium sinnvoll?
• Bei milder Obstipation, sofern das Tier gut hydriert ist.
• Bei chronischer Dickdarmdiarrhoe bei Hund und Katze, als Teil eines Ernährungskonzepts.
• Wenn ein stabiler, geformter Kot an sich ein Behandlungsziel ist.

Wann ist Zurückhaltung angebracht?
• Bei Katzen mit (Verdacht auf) Megakolon. Einem Kolon mit stark verminderter Motilität ist nicht damit geholfen, mehr Masse in den Darm zu bringen.
• Bei Tieren, die zu wenig trinken. Psyllium kann Wasser nur binden, wenn dieses Wasser auch verfügbar ist. Sprechen Sie deshalb bei jeder Psyllium-Empfehlung auch die Bedeutung einer ausreichenden Wasseraufnahme an.
• Bei Obstipation: Schließen Sie immer zuerst andere Ursachen aus. Nicht bei jedem Tier mit Obstipation ist Psyllium die Lösung. Manche Tiere haben Schmerzen, können sich schlecht hinhocken oder meiden die Katzentoilette.

Was Sie nicht erwarten dürfen:
• Dass es die Ursache der Beschwerden löst.
• Dass es das Mikrobiom steuert, wie stark fermentierbare Fasern es tun.
• Dass jeder Patient mit Obstipation von zusätzlichem Psyllium profitiert.

Denn Psyllium reguliert nichts und tut in jedem Darm genau dasselbe: Wasser binden. Ob das hilft, hängt vollständig von Ihrem Patienten ab.

🥣 Meet the Fiber: eine FeedWise-Serie über Ballaststoffe bei Hund und Katze. In jeder Ausgabe besprechen wir eine Faser: den Wirkmechanismus, die Indikationen, die Grenzen und den Platz in der klinischen Praxis.

Nächste Ausgabe: FOS, der Fermentierer.

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