Wird bei einem Hund Struvit festgestellt, suchen Besitzer häufig selbst nach einer „natürlichen“ Lösung.
Apfelessig
Cranberrysaft
Vitamin C
Verständlich: Etwas Natürliches wirkt niedrigschwellig und sicher. Und da Struvit in alkalischem Harn leichter entsteht, klingt es logisch, etwas Saures zu geben.
Doch solange man nicht weiß, was ein solches Mittel tatsächlich mit dem Harn macht, wird aus Behandeln schnell Experimentieren.
Cranberry, Apfelessig und Vitamin C werden in Foren oft als natürliche Harnansäuerer genannt, angeblich viel besser und gesünder als all die chemisch hergestellten Futtermittel, die Tierärzte verkaufen. Dabei säuern diese Stoffe den Harn nicht zuverlässig an und sind auch nicht ohne Weiteres harmlos.
Nehmen wir Apfelessig.
Apfelessig hat selbst einen niedrigen pH-Wert. Aber der pH-Wert eines Stoffes sagt nichts darüber aus, was er nach Verdauung und Stoffwechsel mit dem Harn-pH macht.
Und bei Apfelessig steckt der Haken im Detail. Apfelessig enthält nämlich Acetat, das nach der Metabolisierung im Körper zur Bildung von Bikarbonat beitragen kann. Aufgrund der chemischen Zusammensetzung hat Apfelessig daher theoretisch eher ein leicht alkalisierendes (den Harn-pH erhöhendes) als ein ansäuerndes Potenzial, obwohl Apfelessig selbst sauer ist.
Auch die anderen beliebten Optionen verlangen Differenzierung.
Cranberry ist vor allem bei Harnwegsinfektionen interessant, wegen eines möglichen Effekts auf die Anheftung bestimmter Bakterien an die Blasenwand, ist aber kein zuverlässiger Harnansäuerer. Und Vitamin C kann in Oxalat umgewandelt werden, Grund genug, damit bei einem Patienten mit Harnwegsproblemen nicht unkontrolliert zu experimentieren.
„Natürlich“ ist deshalb kein Synonym für sicher, wirksam oder passend.
Manchmal verändert so ein Hausmittel gar nichts.
Manchmal führt es zur Bildung von Stoffen, die andere nachteilige Effekte haben können.
Und manchmal lenkt man den Harn ungewollt genau in die falsche Richtung.
Bei Harnwegsproblemen sollte man nicht einfach versuchen, den pH-Wert zu senken. Man muss zuerst wissen, was gebildet wird, wodurch das geschieht und welches Ergebnis die Therapie erreichen soll.
Erst dann lässt sich kontrolliert gegensteuern.
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