Rübenschnitzel. Allein der Name stößt bei manchen Besitzern schon auf Widerstand.
„Ein billiger Reststoff.“
„Ein reiner Füllstoff.“
„Unverdaulich und damit schlecht für den Darm.“
Mitunter wird sogar behauptet, Rübenschnitzel reize die Darmwand oder störe das Mikrobiom. Für solche pauschalen Aussagen gibt es jedoch keine gute Grundlage.
Was ist Rübenschnitzel eigentlich?
Rübenschnitzel ist der faserreiche Anteil, der übrig bleibt, nachdem der Zucker aus Zuckerrüben gewonnen wurde. Der größte Teil des gewinnbaren Zuckers ist also bereits entfernt. Was bleibt, besteht überwiegend aus verschiedenen strukturgebenden Kohlenhydraten, darunter Pektin, Hemicellulose und Cellulose.
Gerade diese Kombination macht Rübenschnitzel zum Allrounder.
Flohsamenschalen (Psyllium) zeichnen sich vor allem durch ihr Wasserbindungsvermögen aus. FOS ist schnell fermentierbar und dient bestimmten Darmbakterien als Nahrungsquelle. Rübenschnitzel liegt gewissermaßen dazwischen.
Ein Teil wird von Bakterien im Dickdarm fermentiert. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren, die eine Rolle im Darmmilieu spielen und den Darmzellen als Energiequelle dienen können.
Ein anderer Teil bleibt länger intakt und trägt zu Volumen und Struktur des Darminhalts bei. Dadurch kann Rübenschnitzel eine gute Kotqualität unterstützen.
Ist Rübenschnitzel also immer günstig?
Nein. Wie bei jeder Faser bestimmen Dosierung, Verarbeitung, der gesamte Fasermix und der Patient den endgültigen Effekt. Bei hohen Dosierungen kann die Kotmenge zunehmen und die scheinbare Verdaulichkeit von Nährstoffen abnehmen. Das macht Rübenschnitzel nicht schädlich. Es zeigt vor allem, dass mehr Faser nicht automatisch besser ist.
Dass Rübenschnitzel vom Tier selbst nicht vollständig verdaut wird, macht es nicht zum reinen Füllstoff. Dass eine Faser den Dünndarm größtenteils unverdaut passiert, ist gerade notwendig, um im Dickdarm Struktur zu bieten oder von Darmbakterien genutzt werden zu können. Rübenschnitzel auf der Zutatenliste ist also kein Grund, ein Futter abzulehnen.
Die praktische Beurteilung findet an anderer Stelle statt: Schauen Sie auf den Patienten und auf den Kot. Ist der Kot gut geformt, das Volumen akzeptabel und gibt es keine Beschwerden wie übermäßige Gasbildung? Dann passt das Faserprofil wahrscheinlich gut.
Entstehen dagegen viel oder weicher Kot, Blähungen oder eine höhere Kotfrequenz? Dann beurteilen Sie die Gesamtmenge und Kombination der Fasern – und nicht nur das Wort „Rübenschnitzel“ auf dem Etikett.
Kurz gesagt: Schauen Sie nicht nur auf den Futtersack, sondern auch auf den Kot. Dort zeigt sich, ob dieser Allrounder seine Arbeit gut macht.
🥣 Meet the Fiber: eine FeedWise-Serie über Ballaststoffe bei Hund und Katze. In jeder Ausgabe besprechen wir eine Faser: Wirkmechanismus, Indikationen, Grenzen und ihren Platz in der klinischen Praxis.
Nächste Ausgabe: Cellulose, der Impulsgeber.

No responses yet